Grafikkonservierung/restaurierung - aktuelles Beispiel

nach Abnahme der Kaschierung

Leimabnahme von der Rückseite

nach Ergänzung der Fehlstellen

Teil der Karte, während der Restaurierung

Die Restaurierung der Weltkarte von Sancho Gutiérrez

Eines der wertvollsten und wissenschaftlich bedeutendsten Objekte der Kartensammlung ist eine großformatige handgezeichnete Weltkarte, die zu Beginn der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Sancho Gutiérrez, dem Chefkartographen der Casa de Contratación in Sevilla, der spanischen Zentralbehörde zur Koordinierung aller kolonialen Aktivitäten, für Kaiser Karl V. angefertigt wurde. Sie ist im Stil spätmittelalterlicher Seefahrerkarten gezeichnet, weist darüber hinaus aber – und das ist für diese sogenannten Portulankarten ungewöhnlich – zahlreiche kartographische und bildliche Elemente im Inneren der Kontinente sowie ausführliche beschreibende Texte auf. Die „Carta general en plano“ stellt eine herausragende Repräsentation der europäischen Expansion nach Übersee dar.

Diese Karte konnte aus konservatorischen Gründen nicht mehr benutzt werden. Da die Art der Aufbewahrung –gefaltet in einer Kassette – eine zusätzliche Belastung für die Karte darstellte und heutigen Aufbewahrungsrichtlinien nicht genügte, wurde  in Absprache mit der Sammlung eine umfassende Restaurierung beschlossen.

Die Weltkarte misst insgesamt einen Meter in der Höhe und 3,3 Meter  in der Breite und setzt sich aus mehreren Pergamenthäuten zusammen. Zu einem späteren Zeitpunkt, unter Umständen im 18. Jahrhundert, wurde die Karte in 16 Teile zerschnitten und mit dick aufgetragenem tierischem Leim auf Leinwand geklebt. Die Vorderseite ist  durch einen massiven Wasserschaden, unzählige  Insektenfraßlöcher, Risse und Fehlstellen im Randbereich stark beeinträchtigt.

Nach Erstellung eines Restaurierkonzeptes und der Dokumentation des Zustandes  musste als erstes  die empfindliche Malschicht fixiert werden. Dazu wurde eine 5%  Gelatinelösung in Wasser verwendet, die mit einem  Ultraschallvernebler dreimal aufgebracht wurde. Anschließend konnte die Leinwand von der Rückseite trocken abgenommen werden. Der verbleibende Leim wurde unter Einsatz von  Gelkompressen gequollen und anschließend  mechanisch mit dem Skalpell entfernt. Auch die Oberfläche der Vorderseite konnte partiell gereinigt werden. Methylcellulose-gel wurde mit  Wattestäbchen lokal auf verschmutzte,  unbemalten Stellen aufgetragen und  nach kurzer Einwirkzeit  wieder abgenommen.

Der nächste Restaurierschritt  besteht  darin alle Insektenfraßlöcher zu schließen. Dazu werden die Löcher auf der Rückseite  mit einem dünnen Japanpapier und Weizenstärkekleister hinterklebt. Von vorne wird mit mehreren Schichten Japanpapier die Stärke des Pergaments in jeder Fehlstelle aufgebaut. Jedes Loch wird  an der Oberfläche  mit einem kleinen Stück angefasertem Pergament geschlossen. Dieses Material, das im Institut für Restaurierung erzeugt wird, verbindet die Elastizität des Japanpapieres mit der Struktur des Pergamentes und fügt sich daher sehr gut in die Löcher ein.  Durch die Reinigung, die Ergänzung und Integration der Fehlstellen erhöht sich die Lesbarkeit der Weltkarte. Die Restaurierung  dieses wertvollen  Objektes ist ein Langzeitprojekt und wird vorrausichtlich ein Jahr dauern.


last update 21.05.2015