Autorin: Alice Dominique
Das als Titel dieses Blogs ausgewählte Zitat stammt von dem österreichischen Lyriker Rainer Maria Rilke und repräsentiert die mannigfaltige Lebensbereicherung des Besitzes einer Katze.
Anlässlich des Weltkatzentages am 8. August soll dieser neue Beitrag des Bibliotheksblogs eine Ode an unsere flauschigen Gefährten darstellen und die Katzen-Mensch-Beziehung anhand einer Recherche in den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek porträtieren.
In einer bezaubernden Charakterstudie aus 1871 wird die Katze aufgrund ihrer Artverwandtschaft zu dem Löwen, dem König der Tiere, als ein „Thier vom höchsten, ältesten Thieradel“ bezeichnet.
Sie sei jedoch zugleich „ein freies, demokratisches Geschöpf” und „Zwang, Unterwürfigkeit, Gesetze, Systeme sind ihrer Natur zuwider“.
Ihre liebenswerten Verhaltensweisen, die oftmals dem voran beschriebenen sturen Eigensinn, aber auch einer feinfühligen Sensibilität zugrunde liegen, machen Katzen zu einem der populärsten Haustiere. Jede*r Katzenbesitzer*in kann sicherlich auch bestätigen: Dank ihres empathischen Löwenherzes verfügen diese Tiere über die Gabe, die innersten Wesenszustände ihrer Besitzer*innen zu durchleuchten.
Da das Wesen der Katze nach einem gleichbleibenden Revier trachtet, begann der Prozess der Domestizierung der Katze mit dem Beginn der Sesshaftigkeit des Menschen. Aufgrund des erheblichen Benefits der Einschränkung und Eliminierung von Mäuseplagen war diese Relation jahrtausendelang durch eine klassische Zweckbeziehung geprägt.
Heutzutage sind die flauschigen Kompagnons vollwertige Familienmitglieder. Die Basis des Erfolgsrezepts dieser ausgewogenen Beziehung ist wohl die „loyale und zugleich selbständige Persönlichkeit“ [Macek, Wink, 1973, S.8] der Katze.
Ein immerwährendes Problem für Haustierbesitzer*innen ist die Haustierbetreuung während der Urlaubszeit oder einer generellen Abwesenheit. Wie auch in diesem Papyrus aus dem 11. Jahrhundert, werden oft die Nachbarn um Versorgung der Haustiere gebeten. In diesem Fall handelte es sich um die Betreuung von Katzen und Stutenfohlen.
In einem Zeitungsartikel vom 17. Februar 1918 wurde darüber berichtet, dass die Schauspielerin Ida Roland unterwegs nicht auf die Gesellschaft ihrer Tiere verzichtete und von ihrer „berühmten Menagerie“ von Katz und Hund auf Gastspielreisen begleitet wurde.
Gustav Klimt gilt als eine der prominentesten österreichischen Katzenliebhaber*innen. In einem Zeitungsartikel des 28. Jänner 1923 erinnert sich die Schriftstellerin und Journalistin Berta Zuckerkandl daran, wie der Künstler in seinem markanten „blauen Apostelkittel“ mit zwei Katzen auf seiner Schulter Frau Zuckerkandl in seinem Atelier in der Josefstädterstraße begrüßte.
Der Kunstkritiker Arthur Rössler beschreibt in der Gedenkschrift für Gustav Klimt seine Impressionen über das tierische Ateliersleben ausführlich: „Als ich einmal bei Klimt saß und in einem Halbtausendblatthaufen kramte, umgeben von acht oder zehn mauzenden und schnurrenden Katzen, die spielend einander jagten, dass die raschelnden Studienblätter nur so stoben, frage ich verwundert, warum er dieses Treiben dulde, das hunderte der schönsten Zeichnungen verdürbe.“
Gustav Klimt soll schmunzelnd entgegnet haben: „No mein, wenn sie auch das eine oder andere Blatt zerknittern und zerreißen, das macht nix; dafür wischerln’s auf die anderen, und wissen’s, das ist das beste Fixativ!“
Doch ganz so harmonisch dürfte das Ateliersleben nicht verlaufen sein: In einer Postkarte von Gustav Klimt an Emilie Flöge aus dem Jahr 1917 beschreibt der Maler die Widerspenstigkeit seines Katers Lorchen folgendermaßen:
Die Kinder von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth wuchsen von klein auf mit tierischen Gefährten auf. Der fünfjährige Kronprinz Rudolf ist auf der folgenden Fotografie mit seinem Kater Tomi abgebildet.
In einem Nachruf vom 7. Februar 1889 in der Neuen Freien Presse wird der Habsburger als Tierfreund bezeichnet. In diesem Zeitungsartikel erinnert sich der Tierhändler Gudera an den Verkauf einer Tigerkatze, welche er in die Hofburg lieferte. Die Katze hatte wohl eine stattliche Präsenz, denn „acht bis neun” Hunde des Kronprinzen sind bei einer Präsentation der Katze im Salon der Hofburg just vor dieser zurückgewichen. Nur ein Pinscher namens Fleck wagte es sich der Katze zu nähern – er wurde jedoch mit einer „wohlgezielten Ohrfeige” von der mutigen Katze in „die äußersten Winkel des Salons” verjagt.
Kronprinz Rudolfs Schwester Erzherzogin Marie Valerie, jüngste Tochter von Kaiser Franz Joseph I und Kaiserin Elisabeth, hatte eine besondere Beziehung zu Tieren - insbesondere zu ihrer Katze Minet, welche in jungen Jahren ihre treue Gefährtin war.
In einem Zeitungartikel vom 27. Jänner 1876 des Neuigkeits Weltblatt wird berichtet, dass die junge Erzherzogin neben ihrer Katze Minet auch einen Kanarienvogel besaß – letzterer jedoch in einem Moment der Unachtsamkeit durch die Katze getötet wurde. In einem Versuch, die Siebenjährige zu trösten, wurde dieser versprochen, die Katze zu bestrafen. Dieser Versuch ging jedoch nach hinten los und irritierte die junge Kaiserliche so sehr, sodass sie um Begnadigung ihres Lieblingstieres flehte. Erst nachdem Marie Valerie versichert wurde, dass der Fauxpas der Katze pardoniert wurde, beruhigte sich die Tochter des Kaiserpaars.
Es ist allgemein bekannt, dass Katzen im alten Ägypten eine besondere Bedeutung hatten und hochverehrt wurden, da sie als göttliche Wesen galten. Das nachfolgend angeführte Digitalisat eines Papyrus aus ptolemäischer Zeit, welches den Sonnenkater als Triumphator über das Chaos, metaphorisch dargestellt als Schlange, abbildet, können Sie in der aktuellen Ausstellung „Göttlich und gegessen“ im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek noch bis 4. Mai 2025 bewundern.
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Zur Autorin: Alice Dominique, BA ist Mitarbeiterin der Abteilung Kundenservices, Leserberatung und Schulungsmanagement und Vortragende im Center für Informations- und Medienkompetenz der Österreichischen Nationalbibliothek.
Ruth Rybarski, 33 Arten eine Katze zu lieben: literarisches Schnurren, St. Pölten, 2010.
Susanne Schötz, Die geheime Sprache der Katzen, Salzburg, München, 2018.
Teaserbild: Ein Knabe mit Tauben in einem Korb [Kolorierte Radierung, Erzherzogin Marie-Louise von Österreich]
Abb.1: Zwei Katzen [Kreidezeichnung, Pinselzeichnung, Künstlerkreis Lavater]
Abb. 2: Die Frauenwelt vom 31. Dezember 1871, ANNO, Die Frauenwelt, 1871-12-31, Seite 1
Abb. 3: Kopf einer Katze [Pinselzeichnung, Künstlerkreis Lavater]
Abb.4: Ida Roland mit einer Katze, 1919 [Fotografie, Atelier D’Ora / Arthur Benda]
Abb. 6: Kronprinz Rudolf mit seinem Kater Tomi, 1863 [Fotografie, Ludwig Angerer]
Abb. 7: Erzherzogin Marie Valerie mit Katze [Fotografie, Othmar Türk von Ramstein]
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